Blacky und Schweini verirrten sich im Wald ...

   
 


Der Holzfäller mit FrauVor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Schweinen (siehe Foto); das schwarze hieß Blacky und das bunte Schweini. Sie hatten wenig zu beißen, und als Harz IV ins Land kam, konnte der Holzfäller das tägliche Gemüse nicht mehr bezahlen. So seufzte er und sprach zu seiner Frau:
"Was soll aus uns werden? Wie können wir unsere armen Schweine ernähren da wir für uns selbst nichts mehr haben?"
"Weißt du was, Mann," antwortete die Frau, "wir wollen morgen in aller Frühe die Schweine hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Kohl, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los."
"Nein, Frau", sagte der Mann, "das tue ich nicht; wie sollt ich's übers Herz bringen, meine Schweine im Walde allein zu lassen! Die hungrigen Menschen würden bald kommen und sie schlachten."
"Oh, du Narr", sagte sie, "dann müssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter für die Särge hobeln", und ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte.

Schweini schleicht sich rausDie zwei Schweine hatten vor Hunger auch nicht einschlafen können und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Blacky weinte bittere Tränen und sprach zu Schweini: "Nun ist's um uns geschehen."
"Still, Blacky", sprach Schweini, "gräme dich nicht, ich will uns schon helfen." Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, machte die Untertüre auf und schlich sich hinaus (siehe Foto). Da schien der Mond ganz hell, und die Strohhalme, die vor dem Haus lagen, glänzten wie goldene Fäden. Schweini steckte so viele in sein Maul, als nur hinein wollten.

Die Frau mit den Schweinen am FeuerAls der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, setzten der Holzhacker und seine Frau den Plan des vorabends in die Tat um und führten die Schweine in den Wald. Wärend des Marsches ließ Schweini eine Spur aus Strohhalmen zurück. Im finsteren Wald machten sie den Schweinen ein Feuer an (siehe Foto) und die Frau sprach: "Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab."

Der Weg durch den WaldBlacky und Schweini saßen um das Feuer, fraßen ihren Kohl und schliefen ein. Als sie endlich erwachten, war es schon finstere Nacht. Blacky fing an zu weinen und sprach: "Wie sollen wir nun aus dem Wald kommen?"
Schweini aber tröstete ihn: "Wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen wir den Weg schon finden." Und als der volle Mond aufgestiegen war, so nahm Schweini sein Brüderchen an der Hand und ging der güldenen Spur aus Strohhalmen nach (siehe Foto). Sie gingen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus.
Die Frau machte auf und sprach: "Ihr Drecksschweine, was habt ihr euch so lange im Walde gesult, wir haben geglaubt, ihr wollet gar nicht wiederkommen." Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, daß er sie so allein zurückgelassen hatte.

Nicht lange danach zog ein Schwarz-Roter Nebel übers Land und es reichte noch nicht mal mehr für die Mehrwertsteuer. So sprach die Frau des Nachts: "Alles ist wieder aufgezehrt. Die Schweine müssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hineinführen."
Dem Mann fiel's schwer aufs Herz, aber die Frau hörte auf: "Wer A sagt, muß B sagen!" Und weil er das erstemal nachgegeben hatte, so mußte er es auch zum zweitenmal.

Schweini streut KrumenWieder hatten die Schweine das Gespräch gehört; aber die Frau hatte die Tür verschlossen, und Schweini konnte nicht heraus um Strohalme zu sammeln. Am frühen Morgen holte die Frau die Schweine aus dem Bette und gab ihnen ein paar Krumen zum Essen für den Tag. Auf dem Wege nach dem Wald blieb Schweini ein Stück hinter den anderen und warf ein paar Bröcklein auf die Erde (siehe Foto).

Diesmal ging es noch tiefer in den Wald, und wieder ward ein Feuer gemacht: "Bleibt nur da sitzen, ihr Schweine. Wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab."
Abermals schliefen sie ein und erwachten alleingelassen in der finstern Nacht. Schweini tröstete sein Brüderchen: "Wart nur, Blacky, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Bröcklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus"

Einer der Vögel die die Brocken fraßenAls der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Bröcklein mehr, denn die viel tausend Vögel, die im Walde und im Felde umherfliegen, die hatten sie weggepickt (siehe Foto). Hänsel sagte zu Gretel: "Wir werden den Weg schon finden." Aber sie fanden ihn nicht. So irrten sie Tage und Nächte im Wald umher, aber sie gerieten immer tiefer in den Wald, und wenn nicht bald Hilfe kam, mußten sie verschmachten.
Am Mittag des dritten Tages sahen sie ein schönes, schneeweißes Vögelein auf einem Ast sitzen, das sang so schön, daß sie stehen blieben und ihm zuhörten.

Das Zuckerguß-GemüseUnd als es fertig war, schwang es seine Flügel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem Häuschen gelangten, daß aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt. Im Garten wuchs das herrlichste Gemüse mit Zuckerguß überzogen (siehe Foto). "Da wollen wir uns dranmachen", sprach Schweini, "und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein Stück vom Dach essen, Blacky, du kannst am Brockoli knabbern."

Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:
"Knusper, Knusper, Knüse
Wer kanabbert am Gemüse?"


Die Schweine antworteten:
"Die Laus, die Laus,
Fürs Gemüse ein Graus!"

und aßen weiter, ohne sich irre machen zu lassen.

Die Hexe kommt aus dem HausDa ging auf einmal die Türe auf, und eine steinalte Katze kam herausgeschlichen (siehe Foto). Blacky und Schweini erschraken so gewaltig, daß sie fallen ließen, was sie in dem Mauel hatten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach: "Ei, ihr lieben Schweine, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid."

Sie faßte beide an der Hand und führte sie in ihr Häuschen. Da ward ein gutes Essen aufgetragen, Möhren und Gurcke mit Salz und Pfeffer, Sellerie und Körner. Hernach wurden zwei schöne Bettlein aus Stroh hergerichtet, und Blacky und Schweini legten sich hinein und meinten, sie wären im Himmel.
Früh morgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Backen, so murmelte sie vor sich hin: "Das wird ein guter Bissen werden."

Die Hexe fütter SchweiniDa packte sie Schweini mit ihrer dürren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und sperrte ihn mit einer Gittertüre ein (siehe Foto). Ab nun ward dem armen Schweini das beste Essen gereicht, aber Blacky bekam nichts als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem Ställchen und rief: "Schweini, streck deinen Schenkel heraus, damit ich fühle, ob du bald fett bist."
Schweini streckte ihr aber ein Stöckchen heraus, und die Alte, die trübe Augen hatte, konnte es nicht sehen und verwunderte sich, daß er gar nicht fett werden wollte.

Als vier Wochen herum waren und Schweini immer mager blieb, da überkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht länger warten. "Heda, Blacky", rief die Hexe, "ich will Schweini schlachten und backen. Ich habe den Ofen schon eingeheizt. Kriech hinein und sieh zu, ob recht eingeheizt ist." Und wenn Blacky darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Blacky sollte darin als erster braten.

Die Hexe steckt den Kopf in den OfenAber Blacky merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach "Ich weiß nicht, wie ich's machen soll; wie komm ich da hinein?"
"Dummes Schwein", sagte die Alte, "die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein", krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen (siehe Foto). Da gab ihr Blacky einen Stoß, daß sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Blacky lief fort, und die gottlose Hexe mußte elendiglich verbrennen.

Der PerlenfundBlacky aber lief schnurstracks zum Schweini, öffnete sein Ställchen und rief: "Schweini, wir sind erlöst, die alte Hexe ist tot".
Da sprang Schweini heraus wie ein Vogel aus dem Käfig, wenn ihm die Türe aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut sind sich um den Hals gefallen, sind herumgesprungen und haben sich geküßt! Und weil sie sich nicht mehr zu fürchten brauchten, so gingen sie in das Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Ecken Kästen mit Perlen und Edelsteinen (siehe Foto). "Die sind noch besser als Zuckerguß-Gemüse", sagte Hänsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte.
Und Blacky sagte: "Ich will auch etwas mit nach Haus bringen", und füllte sein Schürzchen voll.
"Aber jetzt wollen wir fort", sagte Hänsel, "damit wir aus dem Hexenwald herauskommen."

Die riesen FliegeAls sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein großes Wasser.
"Wir können nicht hinüber", sprach Schweini, "ich seh keinen Steg und keine Brücke."
"Hier fährt auch kein Schiffchen", antwortete Blacky, "aber da - eine riesen Fliege, wenn wir die bitte, so hilft sie uns hinüber." (siehe Foto) Da riefen sie:
"Flieglein, Flieglein,
Da steht Blacky und Schweini.
Kein Steg und keine Brücke,
Nimm uns auf deinen Rücken."


Die HeimkehrDas tat das gute Tierchen, und als sie glücklich drüben waren und ein Weilchen fortgingen, da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, stürzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt, seitdem er die Schweine im Walde gelassen hatte, die Frau aber war gestorben. Blacky schüttelte sein Schürzchen aus, daß die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und Schweini warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu (siehe Foto). Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen.


Und somit ist unser Märchen vorbei, das ganze war eine freie Nacherzählung von "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm. Aber denkt immer dran, es ist ein Märchen, und Märchen sind grauenhaft und sicher nichts für Kinder (vergl. Götz Widmann, das Lied "Grimms Märchen").
Wir versichern, dass für diese Fotos keine echten Hexen leiden mußten ;-)

Blacky&Schwein (27.11.2005-17:02)

 
   
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